7. Oktober 2026 | #Scewo Familie

Wie Scewo GO entstand – Einblick in die Entwicklung

Wie entwickelt man ein Produkt, das viele Funktionen auf wenig Platz vereint und sich gleichzeitig an unterschiedlichste Bedürfnisse anpassen soll?

Philipp Scherrer hat als Projektleiter die Serienentwicklung von Scewo GO geleitet – dem weltweit ersten Rollstuhl mit einem modularen Treppensteiger. Im Interview nimmt uns Philipp mit hinter die Kulissen und erzählt von Herausforderungen, Teamarbeit und innovativen Konzepten. Ein Gespräch über Entwicklung und die kleinen Dinge, die im Alltag einen grossen Unterschied machen.

Was ist Scewo GO – und für wen wurde er entwickelt?

Philipp: Der Scewo GO ist der erste modulare treppensteigende Rollstuhl der Welt. Dahinter steckt eine klare Idee: Mobilität, die im Alltag funktioniert – für alle, die daran beteiligt sind.

Kannst Du Dich an den Tag erinnern, als das erste Mal von einem neuen Produkt die Rede war? Was waren damals Deine Gedanken dazu?

Philipp: Ja, klar. Die Geschäftsleitung kam vor etwa zwei Jahren mit der Idee für den Scewo GO zu uns. Meine erste Reaktion: Cool, wir entwickeln etwas Neues. Aber nicht nur das – ich habe sofort verstanden, worum es geht: Der GO sollte modularer und weniger komplex sein, damit der treppensteigende Elektrorollstuhl für mehr Menschen zugänglich wird. Innovation bedeutet nicht immer mehr Features, sondern die richtigen Features klug zusammengesetzt.

Wie übersetzt man Kundenfeedback in konkrete Lösungen?

Philipp: Wir haben drei Prototypen gebaut, bevor der Scewo GO in Serie ging. Das war der entscheidende Punkt: Auf diesen Prototypen konnten wir echtes Feedback von Testfahrten, Produktdemos bei Händlern und Therapeuten in Kliniken sammeln.

Das Feedback war oft ähnlich – vor allem bei Bedienbarkeit und Ergonomie. Wenn fünf verschiedene Nutzer das gleiche Problem beschreiben, wird es zur Priorität. Dann haben wir geschaut: Ist es machbar, das zu beheben? Und wie schnell? Nicht jedes Feedback führt zu einer grossen Konstruktionsänderung. Manchmal reichen kleine Anpassungen.

Ohne diese iterativen Prototypen-Runden hätten wir viel später gemerkt, was nicht funktioniert. So konnten wir es frühzeitig einbauen – bevor es in Serie ging.

Welche Tests mussten GO-Prototypen bestehen, bevor sie in ein finales Produkt umgesetzt werden konnten?

Philipp: Wir haben intern sehr viel getestet und dabei schnell iteriert – Funktionstests, aber auch Tests direkt aus den Normen. Das war wichtig, um Fehler früh zu erkennen.

Das Kritische waren aber die Dauerbelastungstests. Die können wir intern nicht wirklich durchführen – dafür braucht es spezielle und teure Prüfstände. Das war einer der Gründe, warum die finalen Tests beim TÜV SÜD so wichtig waren. Dort wurde der Scewo GO unter kontrollierten Bedingungen über lange Zeit belastet, um zu sehen, ob die Komponenten halten, wie er sich verformt, wo Verschleiss auftritt.

Das sind die Tests, die zeigen, ob ein Prototyp wirklich ein Produkt werden kann – oder ob noch nachgebessert werden muss.

Wie ist es, wenn Mechanical Engineering, Industrial Design, Elektronik und Software bei einem solch komplexen Produkt zusammenarbeiten? Gab es auch mal Uneinigkeiten und wie löst man diese?

Philipp: Bei Komponenten wie dem Hauptmotor haben alle drei Teams Anforderungen. Das sind echte Herausforderungen, wenn unterschiedliche Disziplinen aufeinandertreffen.

Aber das Spannende ist: Diese Herausforderungen bringen auch neue Denkansichten rein. Wenn alle beteiligt sind und zusammen an einer Lösung arbeiten, verlässt man seine Komfortzone – und findet oft noch bessere Lösungen, die niemand allein gefunden hätte.

Entschieden wurde immer im Team, weil alle das gleiche Ziel haben: den besten Rollstuhl der Welt zu bauen. Wenn das Deine gemeinsame Mission ist, dann geht es nicht darum, Positionen zu verteidigen. Es geht darum, zusammen Probleme zu lösen.

Welches Detail werden Nutzerinnen und Nutzer wahrscheinlich kaum sehen, im Alltag aber deutlich spüren?

Philipp: Wir verwenden die neusten bürstenlosen Gleichstrommotoren. Das ist technisch nicht sichtbar, aber beim Fahren spürt man den Unterschied deutlich.

Diese Motoren ermöglichen eine viel präzisere Steuerung, welche wir FlowDrive™️ nennen. Statt nur auf das Drehmoment zu regeln, regeln wir auf die Geschwindigkeit. Das bedeutet: Beim normalen Fahren hast Du deutlich mehr Kontrolle. Und wenn es eng wird durch eine enge Tür oder ein enges Geschäft, kannst Du viel feiner dosieren. Der Rollstuhl macht genau das, was Du willst, nicht mehr, nicht weniger.

Ein zweites Detail ist die Sitzanpassbarkeit. Wir haben viel daran gearbeitet, dass der Sitz sich besser an Deinen Körper anpasst. Das ist nicht sichtbar, aber Du spürst es sofort: mehr Ergonomie, besserer Komfort.

Auf welches Feature des Scewo GO bist Du besonders stolz?

Philipp: Ehrlich gesagt: Ich bin auf den GO insgesamt stolz. Es ist ein sehr kompakter Rollstuhl mit vielen Funktionen, bei dem Mechanik, Elektronik und Software gut zusammenarbeiten mussten, um es so hinzukriegen.

Wenn ich einen Punkt nennen müsste, dann die Kompaktheit und Modularität des Treppensteigers. Der Treppenmechanismus ist elegant gelöst, nimmt nicht mehr Platz weg als nötig und ist modular aufgebaut.

Was würdest Du jemandem als Erstes zeigen, der den GO zum ersten Mal sieht?

Philipp: Den Sitzlift. Mit dem Scewo GO kommt man auf 87 Zentimeter hoch. Sogar mit meinen 1,96 Metern kann ich so mit der Person im Rollstuhl auf Augenhöhe kommunizieren.

Das ist die Philosophie des GO: Begegnung auf Augenhöhe. Nicht nach oben schauen müssen, um mit jemandem zu sprechen. Das versteht man erst, wenn man es erleben darf.

Welches sind die grössten Unterschiede zwischen Scewo BRO und Scewo GO?

Philipp: Der GO ist modularer aufgebaut und Du kannst ihn flexibler konfigurieren. Er befährt komplexere Treppen und wir haben viel an der ergonomischen Positionierung sowie an der einfachen Anpassbarkeit gearbeitet.

Wie fühlt es sich an, ein Produkt erstmals fertig zu sehen, an dem man so hart gearbeitet hat?

Philipp: Erleichterung, Freude und auch etwas Stolz. Wir haben anderthalb Jahre daran gearbeitet, und jetzt ist es da.

Aber am meisten freut mich: Die Menschen bekommen den GO jetzt. Sie haben mehr Freiheit im Alltag. Sie können auf Augenhöhe sitzen. Sie fahren in einem Rollstuhl, der zu ihnen passt. Und sie können bald damit Treppen fahren.

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