20. August 2026

«Mein BRO hat mir mein Leben versüsst.»

Seit 13 Jahren lebt Jürgen Kreuzer im Schwarzwald. Der Liebe wegen zog es den gebürtigen Karlsruher nach St. Georgen im Schwarzwald, wo er heute gemeinsam mit seiner Frau lebt. Sie ist sein «Schatzi», wie er sie liebevoll nennt, und die wichtigste Person in seinem Leben. Jürgen selbst ist jemand, der gerne unter Menschen ist. Früher probierte er sich beruflich in den unterschiedlichsten Bereichen aus, besonders gerne erinnert er sich aber an seine Zeit im Aussendienst und den Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen.

Doch seine gesundheitliche Situation hat seinen Alltag in den vergangenen Jahren stark verändert. Jürgen ist Diabetiker, seit elf Jahren Dialysepatient und lebt unter anderem mit starken Gleichgewichts- und Schwindelstörungen. Ohne fremde Hilfe konnte er seine Wohnung lange nicht verlassen. Fünf Jahre lang, sagt er selbst, sei er dadurch zum «Gefangenen in der Wohnung» geworden. Seit Oktober 2025 gehört der Scewo BRO zu seinem Leben. Und plötzlich sind wieder Dinge möglich, die lange nicht selbstverständlich waren: das Haus eigenständig verlassen, unterwegs sein, Menschen treffen und Orte besuchen, die er selbst nach 13 Jahren im Schwarzwald noch nie gesehen hatte.

32 Stufen in die Freiheit

Zwischen Jürgens Wohnung im ersten Stock und der Strasse liegen 32 Stufen. Eine Zahl, die für andere kaum eine Bedeutung hat, für ihn aber lange darüber entschied, ob er das Haus selbstständig verlassen konnte oder nicht.

Heute gehört deshalb insbesondere die Treppensteigfunktion zu den Funktionen seines BRO, die für ihn am wichtigsten sind. «Das Wichtigste ist auf alle Fälle die Treppensteigfunktion, weil wir wohnen hier im ersten Stock. Wir haben von der Wohnung bis runter auf die Strasse 32 Stufen und die kann ich mit dem BRO problemlos runterfahren, ohne Hektik, ohne Stress und komme dann, wenn das Licht draussen wieder aufgeht, in die neue Freiheit.»

Diese Freiheit führt ihn mittlerweile wieder mitten hinein ins Leben. Mal geht es mit dem Behindertentaxi nach Villingen auf einen Kaffee, mal durch seinen Wohnort St. Georgen. Und manchmal auch an Orte, die fast vor seiner Haustür sind, die für Jürgen bisher trotzdem unerreichbar geblieben waren. So begleiteten wir ihn zu den berühmten Triberger Wasserfällen. Obwohl er seit 13 Jahren im Schwarzwald lebt, war er zuvor noch nie dort gewesen. «Das ist hier für mich heute auch ein Highlight und ein absolut tolles Erlebnis, hier mal mit dem BRO diese Wege zu fahren, beim Wasserfall und durch den Wald.»

Diagnose Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Über längere Zeit können dadurch Blutgefässe und Nerven geschädigt werden. Mögliche Folgen betreffen unter anderem die Nieren: Schreitet eine diabetesbedingte Nierenschädigung weit genug fort, kann die Nierenfunktion stark eingeschränkt werden und eine Dialyse notwendig werden.

Auch die Durchblutung und das Schmerzempfinden in den Füssen können beeinträchtigt sein. Kleine Verletzungen werden dadurch teilweise nicht bemerkt und können schlechter heilen. So kann ein diabetisches Fusssyndrom mit chronischen Wunden entstehen. In schweren Fällen kann eine Amputation einzelner Zehen oder von Teilen des Fusses oder Unterschenkels notwendig werden.

(Quellen: Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de – Diabetischer Fuss)

Gesehen, gewusst, beantragt

Lange überlegen musste Jürgen nicht, als er BRO zum ersten Mal auf Facebook entdeckte. «Im Februar habe ich den auf Facebook gesehen und wusste sofort, der gehört mir!» Nur drei Wochen später kam ein Mitarbeiter von Scewo zu ihm und ermöglichte ihm eine Probefahrt. Im Oktober desselben Jahres wurde sein BRO schliesslich ausgeliefert. Die Kosten wurden vollständig von seiner Krankenkasse übernommen.

An den Finanzierungsprozess erinnert sich Jürgen positiv. «Scewo hat ihre Arbeit vorzüglich mit der Krankenkasse getätigt. Die haben komplett alle Unterlagen und alle Informationen und alle Tätigkeiten übernommen. Ich musste mich generell um nichts kümmern.» Einen Tipp gibt er anderen Interessierten trotzdem mit auf den Weg: regelmässig bei der Krankenkasse nach dem aktuellen Stand fragen und dranbleiben. Er selbst nahm etwa ein- bis zweimal im Monat Kontakt auf und ist überzeugt, dass auch das dazu beigetragen hat, den Prozess voranzubringen.

Ein Stück Normalität kehrt zurück

Wer Jürgen begegnet, lernt schnell, welche Lebensfreude und -neugier er für seine Mitmenschen mitbringt. Mit BRO entstehen solche Begegnungen heute wieder auf eine ganz neue Art. Wenn Jürgen durch St. Georgen fährt, bleiben Menschen stehen, schauen neugierig und wollen wissen, was für einen Rollstuhl er fährt. Vor allem die Treppensteigfunktion sorgt regelmässig für erstaunte Blicke. Jürgen nimmt sich gerne die Zeit, Fragen zu beantworten und BRO zu erklären.

Auch die Umgebung selbst entdeckt er neu. Der Weg hinauf durch St. Georgen hat stellenweise eine Steigung von rund zehn Prozent. Jürgen hatte sich vor seiner ersten Fahrt sogar bei der Stadt über die Steigung informiert. Als er sie schliesslich selbst bewältigte, wurde daraus ein Erlebnis, an das er sich gerne erinnert: «Die Autos müssen hier Gas geben und du hoppelst hier in aller Ruhe gemütlich hier den Gehweg hoch.» Was für andere nach einer gewöhnlichen Fahrt klingt, steht für Jürgen für etwas viel Grösseres. «Es bedeutet Freiheit und eine Selbstständigkeit ohne fremde Hilfe.»

Die Sonne scheint und das Leben ist schön

Trotz allem, was die vergangenen Jahre mit sich gebracht haben, ist Jürgen seine positive Lebenseinstellung geblieben. Seine Frau spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit ihr hat er im Schwarzwald ein Zuhause gefunden, und auf ihre Unterstützung kann er sich im Alltag verlassen. Und mit BRO ist zu dieser Unterstützung etwas hinzugekommen, das Jürgen lange vermisst hat: die Möglichkeit, wieder selbst zu entscheiden, wohin er wann möchte: «Das heisst, der BRO hat mir im Endeffekt mein Leben versüsst, mir eine neue Lebensqualität gegeben.»

Seine Haltung zum Leben bringt Jürgen selbst wohl am besten auf den Punkt: «Egal wie schlimm es kommt, es gibt immer noch einen Weg, um nach vorne zu schauen. Aufgeben ist generell keine Option.» Oder, wie er es mit seinem ganz eigenen Motto formuliert: «Die Sonne scheint und das Leben ist schön.»

Jürgen Fahrmodus winken
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