21. April 2021

«Mit BRO werde ich in der Gesellschaft anders wahrgenommen.»

Fliegen kann unser Elektrorollstuhl (noch) nicht. Doch mit ihm in einem Flugzeug zu fliegen klappt gut. Reto ist mit seinem BRO nach Südafrika gereist. Dort hat BRO auch die Tierwelt in seinen Bann gezogen. Was Reto in Südafrika erlebt hat, erzählte er mir in einem Telefongespräch. Hier findest Du einen Erfahrungsbericht aus seiner Sicht.

«Das erste Mal hatte ich ein Gefühl von Freiheit, als ich in Kapstadt mit BRO aus dem Flughafen gefahren bin. Dank BRO bin ich selbstständig und nicht auf Hilfe angewiesen. Ich war schon oft in Kapstadt, jedoch noch nie im Rollstuhl. Auch war ich gerade das erste Mal mit einem Elektrorollstuhl im Gepäck geflogen. Beim Einchecken in Zürich ging eigentlich alles soweit gut. Dies liegt mitunter daran, dass ich mich im Vorhinein gut informiert und den Elektrorollstuhl entsprechend angemeldet hatte. Das Ausladen aus dem Flugzeug hingegen stellte eine grössere Herausforderung dar als erwartet.

Reto auf der Treppe

Schwertransport

Elektrorollstühle werden im Frachtraum des Flugzeugs in einem speziellen Container transportiert. Beim Ausladen am Flughafen geht dann jedes Bodenpersonal anders vor.

In Kapstadt musste ich kurzerhand mithelfen. Das Bodenpersonal versuchte, BRO auf einem Gepäckförderband zu schieben. Dabei verhakten sich die kleinen Räder des Supportsystems. Zum Glück kenne ich meinen BRO inzwischen sehr gut und konnte das Supportsystem mit der Fernsteuerung einfach einfahren. So konnte das Bodenpersonal den Rollstuhl unbeschadet vom Band runternehmen.

In Zürich kam BRO auf einem Wagen an und drei Männer haben den 160 Kilogramm (!) schweren Elektrorollstuhl  hinuntergehoben. Ich wollte sie davor warnen, wie schwer der Rollstuhl ist, doch sie waren zu schnell. Da haben wohl alle ihr eigenes Vorgehen.

Wie ich eine Reise in Erinnerung behalte, hängt stark damit zusammen, wie das Personal mit mir, aber auch mit meinem Rollstuhl umgeht. Da gibt es wohl grosse Unterschiede.

Transport im Flugzeug

Scewo BRO ist für den Transport als Gepäckstück in Flugzeugen zugelassen. Der Lithium-Ionen-Akku ist ein fester Bestandteil des Rollstuhls und muss/darf daher nicht ausgebaut werden. BRO muss beim Einchecken abgegeben werden und der*die Rollstuhlfahrer*in muss in einen speziellen Rollstuhl der Airline umsteigen. Die Airline im Voraus zu kontaktieren und das genaue Vorgehen zu klären, wird dringend empfohlen.

Kissenschlacht

Die Hin- und Rückreise behalte ich in guter Erinnerung. Ich fühlte mich gut aufgehoben von dem Personal, das sich um mich kümmerte. In Doha auf meinem Zwischenstopp hatte ich kurz das Gefühl, ich sei vergessen gegangen. Da hilft es, dass ich aufstehen kann und eine laute Stimme habe. So konnte ich einfach auf mich aufmerksam machen.

Beim Check-in in Zürich habe ich darauf hingewiesen, dass man die Kissen wegnehmen kann, um BRO noch kompakter zu machen. Diesem Hinweis sind sie sogleich nachgegangen. Mein Handgepäck umfasste nun nicht mehr nur meine Tasche, sondern zusätzlich die beiden Kissen. Fortan musste ich stets daran denken, diese nicht irgendwo liegen zu lassen.

Beim Rückflug habe ich nicht mehr darauf hingewiesen. Eine gute Lösung wäre auch, die Kissen mit dem restlichen Gepäck einzuchecken. Daran müsste man aber im Vorhinein denken.

Ausweichmanöver

Doch der Weg war nicht das Ziel. In Kapstadt machte ich verschiedene Ausflüge. Zum Beispiel besuchte ich die Pinguine in der False Bay. Diese waren sichtlich angetan von BRO. Vielleicht dachten sie, dass BRO aufgrund der ähnlichen Farben zu ihnen gehört?

Auch war ich in der Stadt unterwegs, habe Museen und den Botanischen Garten besucht. Dort gibt es einen rollstuhlgängigen Weg mit einer Holzbrücke. Sehr empfehlenswert! Trotz seiner angeblichen Rollstuhlgängigkeit wären viele Teile des Weges jedoch mit einem anderen Rollstuhl nicht zugänglich gewesen. Die verschiedenen Modi machen BRO sehr flexibel. Auch bei Baustellen, bei denen Rollstuhlgängigkeit oft vergessen geht, hatte ich mit BRO einen klaren Vorteil. Neben der Flexibilität ist besonders das Fahrgefühl auf den zwei Rädern einfach einmalig!

Blickkontakt

Das Haus meiner Mutter und ihrer Partners in Südafrika ist überhaupt nicht rollstuhlgängig. Auch BRO ist an seine Grenzen gekommen. Das Haus kann auf zwei Arten erreicht werden: Über eine steile Passage oder durch den Garten über einen Rasen. Die Steigung war zu steil für den Fahrmodus und der Rasen zu weich. Zum Glück gibt es eine Fernsteuerung! Mit diesem konnte ich BRO zum Haus steuern.

Aus pragmatischen Gründen haben wir BRO für kurze Ausflüge jeweils zu Hause gelassen. Gestützt kann ich kurze Strecken gehen. Doch die Blicke sind anders. Die Bewunderung, die BRO auslöst, fällt weg. Mit BRO bin ich selbstständig und auf niemanden angewiesen.

Reto mit Pinguinen

Aufmerksamkeitserregend

BRO ist ein bisschen wie ein Hund. Man kommt schnell mit anderen Menschen ins Gespräch. Ich werde auch in der Schweiz oft angesprochen, doch in Südafrika noch häufiger. In einem Restaurant fragte mich eine Servicemitarbeiterin, ob sie BRO ausprobieren darf. Na klar! Also fuhr ich über eine Treppe auf die Terrasse. Als ich mich umdrehte, stand plötzlich das ganze Personal da und schaute mir zu. Auch Kinder sind begeistert von BRO. Ein Junge meinte, er wolle auch so einen, wenn er gross ist. Das mag ich zu bezweifeln. 

Als einmal im Hotel der Lift ausfiel, war ich ausserordentlich froh um den Treppenmodus. Sonst wäre ich wohl ein paar Stunden dort gefangen gewesen. Als ich dann einfach die Treppe runter fuhr, trauten die Angestellten kaum ihren Augen.

Synthese

In meinem Alltag bin ich zurzeit coronabedingt sehr eingeschränkt. Auch meine Arbeit als Software-Entwickler und CEO der FactsMission AG erledige ich aktuell hauptsächlich von zu Hause. Wenn meine Kund*innen sagen, dass wir das Meeting online machen sollen, denke ich jedes Mal: Schade, ich habe doch so einen coolen Rollstuhl!

Interessant für mich ist, wenn ich merke, wie ich immer mehr mit BRO verschmelze. Meine Bewegungen passe ich ihm automatisch an. Auch mein Vertrauen in BRO wächst jeden Tag. Ich würde sofort wieder mit ihm verreisen! Unterwegs gibt er mir Sicherheit und ein Gefühl von Freiheit.»